Die vergessenen Skulpturen von Tengenenge

Mehrere Jahrzehnte lang arbeiteten in Tengenenge Bildhauer  mit unterschiedlichem Talent und Erfolg. Unterkunft und Rohsteine wurden bereitgestellt und so hatten viele die Möglichkeit ihr Talent zum Bildhauern zu erproben. Einige sind in der Künstlerkolonie geblieben, andere sind weggezogen und ließen ihre Skulpturen zurück. Von Zeit zu Zeit wurden die verlassenen oder auch vergessenen Skulpturen gesammelt und auf den nahegelegenen Feldern abgelegt, später wuchs dann Gras darüber.

Vor einigen Jahren wurde damit begonnen, die Skulpturen aus den verwilderten Äckern zu bergen und zu sammeln. 2014 wurden die Objekte dann in Zusammenarbeit mit einigen Dorfbewohnern der Umgebung gereinigt, sortiert, anschließend fotografiert und katalogisiert. Bei dieser Aktion wurden in unmittelbarer Nähe der Wohnhütten noch weitere Skulpturen entdeckt und ausgegraben. Zum Abschluss des Einsatzes wurde ein Ochse geschlachtet und zusammen mit allen Dorfbewohnern ein Fest gefeiert, bei dem auch der 100jährige Bildhauer Amali Maloli anwesend war.

Die Jahre unter der Erde hinterließen Spuren auf den Skulpturen, die nur zum Teil signiert wurden, zum großen Teil keinem Künstler mehr zugeordnet werden können. Ein großer Teil des Erlöses aus dem Verkauf der „forgotten sculptures“ kommt dem Künstlerdorf Tengenenge zu Gute.

 

Shona Skulpturen aus Tengenenge (Simbabwe)

Tengenenge ist eine international bekannte Künstlerkolonie auf dem Gebiet der Bildhauerkunst in Simbabwe. Die Siedlung befindet sich im Guruve-Distrikt der Provinz Mashonaland Central. Ihr Name bedeutet „Anfang vom Anfang“.

Das Gelände wurde von Tom Blomefield, einem weißen Südafrikaner erworben, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Südafrika in das damalige Südrhodesien einwanderte. In den 1940/50er Jahren betrieb er eine Tabakfarm bis Unwetter und Dürreperioden das Geschäft unrentabel machten und er mit der Förderung von Chromerzen begann. Als die UNO ein Embargo verhängte und kein Export mehr möglich war, stellte er den Betrieb ein.

Auf dem Gelände waren große Vorkommen an Serpentinit gefunden worden, ein Stein, der sich gut für künstlerische Zwecke eignet. Auf Grund familiärer Vorprägungen, Blomfields Eltern waren Künstler, kam er auf den Gedanken, ein Kunstprojekt zu installieren. Die ursprüngliche Tabakfarm wurde 1966 in die Tengenenge Art Community umgewandelt. Unterstützung erhielt das Projekt durch Crispen Chakanyuka, einem Schüler des bekannten Bildhauers Joram Mariga.

Im Jahr 1968 begann eine intensive Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie von Rhodesien in Salisbury, seit 1982 Harare. Der damalige Leiter Frank McEwen organisierte in seiner Galerie Ausstellungen mit Werken aus der Künstlerkolonie Tengenenge.

In der Zeit des Befreiungskrieges zwischen 1972 und 1980 war die künstlerische Arbeit in Tengenenge stark eingeschränkt und in ihrer Existenz bedroht. Nach Beendigung der Kämpfe und der erlangten Unabhängigkeit des Landes kam das Leben in der Künstlerkolonie wieder in Gang. Tengenenge erlangte in der Folge durch seine Bildhauerarbeiten mit ihren spezifischen künstlerischen Ausdrucksformen weltweite Aufmerksamkeit. Im Jahr 1989 wurde im niederländischen Wageningen die erste Ausstellung von Werken aus der Künstlerkolonie in Europa veranstaltet. Seit 1995 wurden in vielen Ländern Präsentationen gezeigt. Unter dem Begriff Shona-Skulpturen oder allgemein nur Shona-Kunst sind die Arbeiten inzwischen international bekannt. Die beteiligten Künstler entstammen nur zum Teil dem Volk der Shona. Einige kamen aus anderen Regionen Simbabwes und den Nachbarländern Sambia, Malawi und Südafrika. Zahlreiche Künstler, die in Tengenenge ihr Bildhauerhandwerk erlernt haben, erlangten über die Grenzen des Landes individuelle Bekanntheit und konnten Ausstellungen in Europa sowie in den Vereinigten Staaten durchführen.

Bis zum Jahr 2007 leitete Tom Blomefield die Künstlerkolonie. Am 27. Dezember 2007 übergab er an Dominic Benhura. Mittlerweile leitet ein fünfköpfiges Team die Kolonie.

 

 

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